Jetzt gilt es: Fortschritt in der Piratenpartei

DIE AKTUELLE SITUATION

Der Kampf der verschiedenen Flügel in der Piratenpartei hat die Mitglieder in eine neue und eine existentielle Eskalationsstufe


Entwicklung Richtung 3. Ebene (Lose-Lose) Stufe 7
Begrenzte Vernichtung nach Glasl
 

Hier soll dem Gegner mit allen Tricks empfindlich geschadet werden. Der Gegner wird nicht mehr als Mensch wahrgenommen. Ab hier wird ein begrenzter eigener Schaden schon als Gewinn angesehen, sollte der des Gegners größer sein.

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Die derzeitige Vorgehensweise von führenden Gruppen innerhalb der Partei, sich lautstark zu positionieren oder andere, die sich statt Verantwortung zu nehmen in Schweigen hüllen, geht nicht. Einzelne schauen zu, andere führen die Diskussion, so bilden sich Flügel, die letztendlich Mehrheiten (Gefolgschaften) bilden.

Die Auswirkungen:

  • Desorientierung durch ungelöste Konflikte
  • Misstrauen und damit Handlungsunfähigkeit politische Aufgaben weiter voranzutreiben
  • Austritte von Mitgliedern
  • Weiterer Imageverlust in der öffentlichen Wahrnehmung

Der Anspruch an unsere politische Arbeit

Die Struktur muss es dem Einzelnen Mitglied ermöglichen in den Diskurs/Dialog einzusteigen, OHNE ANGST haben zu müssen für sein Denken und Sprechen verurteilt zu werden. Das Ziel dabei sollte immer der Fokus sein, dass wir alle die Ziele der Piratenpartei strategisch und nachhaltig umsetzen können.

Das erfordert aber Freiheit auf einem hohen Niveau

„Es ist nicht so, dass wir neue Organisationen erfinden müssen. Wir müssen eine neue Art des Denkens wählen. Ich glaube es ist reine Zeitverschwendung, bestehende Realitäten anzugreifen. Vielmehr wird es Zeit ein neues Modell zu benutzen, das die Komplexität aufweist, ältere Systeme überflüssig zu machen. In dem Maße, wie wir dies tun können, und wir sollten es möglichst schnell tun, denke ich, können wir das anbieten, was für einen Durchbruch in die Zukunft benötigt wird.“
Dr. Don E. Beck (US-amerikanischer Management-Berater und Koautor (mit Chris Cowan) des Buches Spiral Dynamics basierend auf dem Modell von Graves)

WO STEHEN WIR?

EIN ANSATZ DER ANALYSE MIT BLICK AUF DEN JETZIGEN PROZESSES

Eine mögliche Sichtweise auf den Veränderungsprozess der Piraten basierend auf dem Modell von Graves

„Die Psychologie eines reifen Menschen ist ein sich entfaltender, aufstrebender, sich hin- und herbewegender, spiralartiger Prozess gekennzeichnet durch eine schrittweise Unterordnung eines älteren, niedrigeren Ordnungsverhaltenssystems zu einem neueren, höher entwickelten Systems, das sich durch menschliche existentielle Probleme verändert.“
Dr. Clare W. Graves

Der Fokus dieses Systems richtet sich mehr auf das „Wie“ jemand handelt und spricht (Form), als auf das „Was“ er gerade tut (Inhalt).

Graves Ergebnis in 22 Jahren Forschung: Die Entstehung eines achtstufigen System.

Es ist eine Einteilung, die in aufeinander aufbauende Wertesystemen funktioniert, das jedes in sich eine eigene Welt darstellt. Jedes System hat seine typischen Konflikte und Lösungsmechanismen, seine Vorlieben, seine Schattenseiten. Zentrale Themen wie Glück, Macht, gesellschaftliche Konzepte, Lernstrategien, Entscheidungsarten, Erfolg, Familie, Religion fallen je nach Zugehörigkeit zu einem System inhaltlich unterschiedlich aus.

„In jeder Stufe der menschlichen Existenz ist der erwachsene Mensch auf der Suche nach dem heiligen Gral, der Art, wie er zu leben, wünscht.“

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Auf der ersten Stufe sucht er nach automatischer körperlicher Befriedigung (1).
Auf der zweiten Stufe sucht er eine sichere Art zu leben (2),
und dies ist gefolgt, als nächstes, von der Suche nach Heldentum, Macht und Ruhm (3),
einer Suche nach höchstem Frieden (4),
einer Suche nach materieller Zufriedenheit (5),
einer Suche nach liebevollen Beziehungen (6),
einer Suche nach Selbstachtung (7)
und einer Suche nach Frieden in einer unverständlichen Welt (8).
Und wenn er merkt, dass er diesen Frieden nicht findet, wird er sich auf die Suche der neunten Stufe machen.”
(C.W. Graves, übers. www.clarewgraves.com)

Jede Stufe der menschlichen Existenz hat ihre eigenen Herausforderungen, es gibt keinen Stillstand. Graves’ Theorie zeichnet ein Bild des Menschen, der in einer gewissen Grundspannung lebt und versucht, diese zu lösen, indem er sich immer wieder auf verschiedenen Ebenen mit seinem Sein auseinandersetzt.

Das Leben steht niemals still. Graves Sichtweise zeigt, dass wir als Menschen immer wieder in der Spannung stehen Entscheidungen auf unterschiedlichen Ebenen zu treffen. So reifen wir – bestenfalls – durch unsere selbst durch-lebten Erfahrungen.
Graves hat u. a. darauf hingewiesen, dass die Menschheit sich auf einen gewaltigen Entwicklungssprung, „ a momentous leap“, vorbereitet.

AUF WAS KOMMT ES JETZT AN?

Unsere Chance ist eine konstruktiv geführte Auseinandersetzung

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Wie gehen wir mit den aktuellen Konflikten in der Piratenpartei um?
In der Analyse, was hier an Strukturen in der Piratenpartei etabliert hat,  haben wir jetzt die Chance hidden structures offen zu legen.

Fakt: Die Kommunikationskultur bei den Piraten

Kommunikation über verschiedene Kanäle läuft ständig und so wieso. Entscheidend ist aber doch die Art und Weise wie unterschiedliche Meinungen sich darstellen dürfen. Je explosiver der Inhalt desto dramatischer die Darstellung der Inhalte.

Warum? Die jetzige Kultur ist, dass das schmerzlich Offensichtliche nicht direkt angesprochen werden darf. Unter den Piraten gibt es immer noch starke Tendenzen zu der Haltung: „Mund verbieten, wenn mir die Meinung des anderen nicht gefällt.“

Unversöhnlichkeit in der politischen Diskussion? Das ist etwas für die ewig Gestrigen. Es gibt nicht nur eine Sichtweise, sondern unterschiedliche! Es gibt nicht die absolute Wahrheit auf einer Seite (Absolutismus nach Graves Stufe 4).

Jetzt gilt es – zu allererst uns selbst – zu zeigen, was wir aus den vergangenen Prozessen bei Meinungsverschiedenheiten gelernt haben. Wenn wir Unversöhnlichkeit propagieren werden wir weiter die Akzeptanz unserer WählerInnen verlieren, weil wir nur das Bestätigen, was die Mehrheit in Deutschland über Politik denkt. Das wäre ein großes Scheitern der Piratenpartei.

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ALSO: WAS KÖNNEN WIR TUN?

Als erstes gilt es bewusst machen, was eigentlich unser gemeinsames Ziel (Vision) ist.
Schließlich vertreten wir die Meinungen der BürgerInnen, die uns in Deutschland gewählt haben: ca. 1 Million Menschen, die auf uns gesetzt haben.

Die Piratenpartei hat sich stellvertretend in einem politischen Feld aufstellen lassen.

Wir (sollten) funktionieren als Plattform für die Probleme, in denen wir Kompetenzen aufweisen.

Welche strukturellen Schritte müssen hierfür dringend verbessert werden?

  • Ein erster Schritt: Innovationspotentiale heben
    Etablierung eines ständigen Lernprozesses, wie Meinungsverschiedenheit als Innovationspotential verstanden werden kann. Davon haben wir einen Menge. Hier steckt unglaublich viel Energie drin, die bisher total verpufft. 
  • Der zweite Schritt:  Kommunikationskultur
    Auf welchem Niveau, in welcher Art und Weise tragen wir unsere verschiedenen Meinungen aus?

Ganz klar muss uns ALLEN sein: Draufhauen und Zurückhauen geht gar nicht. Das ist Kindergartenniveau gelebter Demokratie. Unterschiedlichkeit darf und muss dargestellt werden. Transparenz und Toleranz müssen in Lösungen führen. Es kann nicht sein, dass wir auf den Positionen ‚richtig‘ und ‚falsch‘ einfach stehen bleiben. Es muss darüber hinausgehen und in ein vorausschauendes Denken münden. Hierzu braucht es eine Fehlerkultur! Nur durch die Auseinandersetzung und das machen von Fehlern lernen wir.

  • Der dritte Schritt: Die gemeinsame Ausrichtung
    Welchem gemeinsamen Ziel sind wir als Piratenpartei Deutschland verpflichtet?

Das gemeinsame Ziel verbindet uns als Piratenpartei in Deutschland. Wir wollen einen konstruktiven Beitrag in der Gesellschaft leisten, anstehende wichtige und schwierige Probleme zu lösen. Darauf sollten wir uns einigen können.

  • Der vierte Schritt: Etablierung einer neuen Denkstruktur im Umgang mit unterschiedlichen Standpunkten
    Das Ziel MUSS dabei sein, das gemeinsame, das verbindende von verschiedenen Standpunkten zu finden.

Es geht nicht nur um richtig und falsch. Wir leben in einer Zeit in der wir mehr als je zuvor herausgefordert sind Demokratie zu leben. Die Geschichte lehrt uns, dass es nicht eine einzige Wahrheit gibt. Dies bedeutet in der Phase der Meinungsbildung, dass wir uns grundsätzlich nicht auf ein Richtig und ein Falsch zurückziehen können. Als Piratenpartei haben wir uns auf die Fahne geschrieben, etabliertes politisches Vorgehen zu hinterfragen und in einem weiteren Schritt eventuell schon Vorschläge für einen politischen Veränderungskurs zu machen.

WELCHE MÖGLICHKEIT ERGIBT SICH AUS DIESER AKTUELL SYSTEMISCHEN KONSTELLATION?

Es benötigt ‚Handwerker‘, die mit dieser Konstellation weiter arbeiten können. Um die bestehenden Eskalationsstufe auflösen zu können, benötigt die Gruppe eine Art Moderation, um wieder effektive und konstruktive Lösungen zu finden und dann auch umzusetzen.

Ein mögliches Werkzeug für den nächsten Prozessschritt: Dynamic Facilitation

Das Wichtigste über Dynamic Facilitation in Kürze

Anwendungsfelder

  • Wenn lineare, starre Moderationen nicht möglich oder gewollt sind
  • Bei sehr komplexen Problemen

Hilfreich wenn

  • Eine wirklich kreative Lösung gebraucht wird
  • Die Lösung von allen mitgetragen werden soll
  • Wenn das Vertrauen der Teilnehmer untereinander wachsen soll

Geeignet für

  • Strategische Fragen
  • Unlösbare Probleme
  • Konflikthafte oder emotional „aufgeladene“ Fragestellungen
  • Themen, die versteckte Dimensionen haben

Nicht geeignet, wenn

  • Themen unkritisch sind
  • Teilnehmer bei der zu behandelnden Frage entspannt sind und kultiviert diskutieren können

Voraussetzungen für Dynamic Facilitation

  • Teilnehmer müssen ein echtes Interesse haben, ihr Problem zu lösen
  • Teilnehmer müssen die Fragestellung die ganze Zeit gemeinsam bearbeiten können
  • Es muss genügend gemeinsame Zeit zur Verfügung stehen
  • Es darf nicht nur eine begrenzte Zahl an Optionen möglich sein
  • Das Thema sollte eine emotionale Komponente haben

Zeitbedarf

  • Je nach Fragestellung zwischen 2 und 8 Stunden,
  • jeweils zweistündige Arbeitsblöcke werden empfohlen, diese können entweder an einem Tag stattfinden oder auch über mehrere Tage oder Wochen verteilt sein

Kurze Beschreibung der Methode

Diese Methode ist geeignet, wenn Emotionen hoch kochen, gegensätzliche Ansichten überwiegen und eine gemeinsame Problemlösung fast unmöglich scheint.

Üblicherweise hilft in solchen Situationen, die Argumente aller Seiten zu hören, Informationen und Sichtweisen zu sammeln und dafür zu sorgen, dass alle Beteiligten sich gehört fühlen. Anders gesagt: Beide Seiten müssen erst einmal „Dampf ablassen“, bevor eine konstruktive Diskussion wieder möglich wird.

In Situationen wie diesen, wenn viel Energie im System ist, die Probleme komplex sind und Gefühle hohe Wellen schlagen, eignet sich die Methode „Dynamic Facilitation“, um eine emotional stark involvierte Gruppe trotz aufgeheizter Atmosphäre zu einem gemeinsamen Ergebnis zu führen.

Ein Moderator führt den Ablauf. Es handelt sich aber nicht um eine Konfliktmoderation, sondern er hilft der Gruppe dabei, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln

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Dynamic Facilitation – der Ablauf

Es werden Pinnwände mit folgenden Überschriften aufgestellt:

  1. Herausforderungen/Fragen
  2. Lösungen/Ideen
  3. Bedenken/Einwände
  4. Informationen/Sichtweisen

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Erste Fragen werden formuliert. Bei den Piraten könnten die Fragen wie folgt lauten:

  • Welche verschiedenen Flügel gibt es innerhalb der Piratenpartei?
  • Welche Meinungen vertreten die jeweiligen Flügel
  • Können alle Flügel zusammen arbeiten und die Vision der Piratenpartei voranbringen?

Üblicherweise hagelt es nach kurzer Stille erwartungsgemäß Vorschläge, Einwände, offene Fragen und subjektive Sichtweisen.

Der Moderator sortiert alle Äußerungen passend unter diese vier Überschriften ein.

Dabei ist es unwichtig, ob ein Einwand zu der zuvor geäußerten Lösung „passt“.

Als Dynamic Facilitation Moderator unternimmt man ganz bewusst nichts, um die Gruppe auf einem „linearen Weg“ zu halten.

Dieses Vorgehen entspricht am ehesten den Vorgängen in unserem Gehirn. Unsere Gedanken kommen meist nicht druckreif linear, sondern eher spontan und ungeordnet. Dynamic Facilitation kommt unseren natürlichen Denkstrukturen entgegen und setzt genau hier an. Die Gruppe wird nicht gezwungen, einen vom Moderator geplanten Moderationsplan einzuhalten, sondern kann ihrer Energie zunächst einmal freien Lauf lassen. Das „Einsortieren“ der Diskussionsbeiträge unter die vier Überschriften macht die (Zwischen-) Ergebnisse und Fortschritte gleichzeitig sichtbar und gibt der Gruppe ein Minimum an Struktur zurück. Gleichzeitig ermöglicht Dynamic Facilitation den Teilnehmern „im Fluss“ zu bleiben und zunächst einmal alles, was dringend unter den Nägeln brennt, loszuwerden.

Dynamic Facilitation arbeitet mit Einwänden

Immer, wenn jemand einen Einwand macht, fragt der Moderator: „Was genau ist Ihre Befürchtung?“. Damit wird der emotionale Anteil der Äußerung aufgenommen und anerkannt, aber von den sachlichen Aussagen getrennt. Wichtig hierbei ist, die Bedenken nicht als Werturteil über den Vorschlag eines anderen Teilnehmer aufzuschreiben, sonst kann es zu sich gegenseitig aufschaukelnden „Ping Pong“-Schlaufen kommen, die man aus üblichen Sitzungen kennt. Auf Argument folgt Gegenargument und schließlich Wertung, dann ein weiteres Gegenargument und so weiter. Diese Schleife verstärkt sich selbst und die Beteiligten Diskussionsparteien können dann meist nicht mehr kreativ arbeiten, sondern nur noch urteilend werten.

Wenn eine solche Schleife droht, geht der Moderator in einem solchen Fall physisch zwischen beide Diskussionsparteien und fragt abwechselnd nach Bedenken und alternativen Lösungen und sortiert diese in die passenden Listen ein. Auf diese Weise wechselt die Aufmerksamkeit vom Dissens zwischen den beiden Parteien auf den Moderator und die Visualisierung. Meist macht sich dann nach kurzer Zeit Entspannung auf beiden Seiten breit, wenn einerseits die Angriffe aufhören und andererseits die Bedenken ernst genommen werden. Dies ist die wichtigste Grundvoraussetzung, um sich anschließend wieder gegenseitig zuhören und produktiv miteinander arbeiten zu können.

Typische Phasen der Dynamic Facilitation

Nach circa 2 Stunden lässt die Energie in der Projektgruppe „Onlineportal“ nach. Die Beiträge werden ruhiger und weniger. Zunächst einmal scheint alles Wichtige und Drängende gesagt zu sein, allerdings ist noch keine Lösung in Sicht.

Jetzt gilt „Ruhe bewahren“, denn auch diese Phase gehört bei der Dynamic Facilitation dazu. Ein typischer Verlauf ist:

„Dampf ablassen“ – Prozess der Reinigung

Am Anfang sehen die Teilnehmer immer das, was sie schon vorher wussten: ihre eigenen Wahrnehmungen, Lösungsideen und Vorbehalte. Der Moderator fördert diese Phase und fragt aktiv nach vorhandenen Lösungsvorschlägen. Die Teilnehmer sollen sich dadurch „entleeren“ und alle Vorschläge, Argumente, Gegenargumente und Bedenken benennen. Diese äußere Fülle führt zur inneren Leere. Die Teilnehmer werden dadurch in der Regel ruhiger, da sie sich gehört fühlen. Erst jetzt kann Raum für etwas Neues entstehen.

Kurz vor dem Durchbruch

Wenn die Diskussion langsam erstirbt und alles Wichtige gesagt zu sein scheint, tut der Moderator in dieser Situation – nichts!

Einige Teilnehmer können davon irritiert sein, andere studierten weiterhin die Aufzeichnungen auf den vier Listen. In dieser Situation ist es wichtig, der Gruppe ihren Raum für den eigenen Erkenntnisprozess zu lassen. Das Vertrauen liegt darauf, dass der Prozess Lösungen hervorbringt.

In der Regel folgen dann die ersten integrierenden Statements von einzelnen Teilnehmern. „Was wäre, wenn wir die vorgeschlagene Struktur in einem strukturierten Prozess testen und die Erfahrungen anhand der diskutierten Kriterien systematisch auswerteten?“ Weitere Ergänzungen und Erwägungen folgten, und es entwickelte sich langsam eine Zustimmung im Raum. Oftmals muss dann über die Lösung am Ende einer Dynamic Facilitation gar nicht mehr abgestimmt werden, da sie sich aus der Diskussion einleuchtend für alle automatisch ergibt.

Der wesentliche Nutzen von Dynamic Facilitation

Dynamic Facilitation gehört zu den systemischen Methoden. Sie führt Veränderungen in dynamischen Systemen herbei, in dem sie den Mitgliedern den Raum bietet, ihre Argumente kraftvoll auszutauschen, ohne dabei durch eine vorausgeplante streng methodische Abfolge auszubremsen. Dynamic Facilitation ermöglicht eine Neuordnung von Gedanken und Gefühlen, speziell in komplexen Situationen. Mit ihrer nur geringen äußeren Struktur schafft Dynamic Facilitation letztlich Raum für die Selbstorganisation der Teilnehmer.

Meilensteine zur Umsetzung dieser Methode in der Piratenpartei

  • Umfrage Lime Survey, wer an solch einem Groß-Event teilnehmen würde?
  • Bestimmung Kosten
  • Bestimmung Räumlichkeiten
  • Bestimmung Moderation interne oder externe Ressourcen

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So funktioniert Kommunikation – Strategie zur EU-Wahl der PIRATEN

KOMMUNIKATIONSZIEL FÜR DIE UMSETZUNGS-MASSNAHME ‚PLAKAT’

In den letzten Tagen ging es wieder los. Vorbereitende Überlegungen zur EU-Wahlplakat-Aktionen. Ich habe nachfolgend alle erarbeitenden Informationen zusammengestellt:

Lime Survey Umfrage, Input zur Zielgruppe und Behauptung von Robert Stein-Holzheim und eigene Vorgehensweise aus eigenen Projekterfahrungen.

Würde mich freuen, wenn es für die weitere Diskussion zur Entscheidung, welche Plakate zur EU-Wahl die kommunikativ stärksten sind.

1. AUSGANGSLAGE

1.1.  Wir müssen den %-Hebel für den EU-Wahlkampf umlegen

1.2.  Lime-Survey-Umfrage mit 2344 Teilnehmern[1] 
Die Themen für den Europawahlkampf stehen damit fest:

  • Demokratie-Upgrade[2]
  • Asylpolitik und Migration
  • Bürgerrechte & Innenpolitik

1.3.  Restriktionen

  • Niemand außerhalb der Filterbubble wählt die Piraten für ihre Themen: Asylpolitik und Migration, Bürgerrechte und Innenpolitik
  • Auch ‚Mehr Demokratie‘ ist kein thematischer Schwerpunkt[3], sondern ein struktureller Nutzen in der Veränderung der Rahmenbedingungen.

1.4.  Zielgruppe: Potentielle Wähler und Wählerinnen

1.4.1.     Outside our Filterbubble
Piraten stellen sich folgende Frage: Was ist los mit der EU-Wahl für den Bürger?

1.4.1.1.         Europamüdigkeit oder Misstrauen gegenüber den EU-Institutionen

Niemand traut den fernen Mauscheleien in Brüssel.
„Was man da alles so hört … die machen wohl, was sie wollen oder gar nix, und kriegen noch Riesen-Knete dafür. Außerdem ist die halbe Bagage wahrscheinlich von Lobbyisten gekauft.“

Dieses angebliche Europa-Misstrauen meint eigentlich die undurchsichtigen EU-Institutionen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/umfrage-buerger-misstrauen-europaeischer-krisenpolitik-a-933947.html

http://www.dw.de/europ%C3%A4er-misstrauen-europa/a-16774395

http://www.sueddeutsche.de/politik/umfrage-zu-europa-skepsis-immer-weniger-buerger-vertrauen-der-eu-1.1658483

1.4.1.2.         Zitat: „Das EU-Parlament und die EU-Kommission sind die beiden Institutionen, denen die Deutschen am wenigsten vertrauen.“

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2013/09/55645/

2.     DARAUS ERGIBT SICH FOLGENDES  STRATEGISCHES KOMMUNIKATIONSZIEL

2.1.  Behauptung

Transparenz in der EU ist nur mit Piraten möglich

Unterthemen wie TTIP, Asyl, Europa der Regionen, mehr Demokratie etc., hängen alle organisch an der Hauptforderung dran. Siehe Erläuterung von Chunking[1]

2.2.  Begründung

  • Auch damals im Höhenflug wählten die BürgerInnen uns, weil die Piraten die einzigen waren, die glaubhaft unbestechlich gegen das Establishment aufstanden und mehr Transparenz in Bezug auf die undurchsichtigen Machenschaften der Mächtigen versprachen.
  • Unser Nutzen für die Gesellschaft ist nicht, dass wir ein tolles Programm haben (das braucht es auch!), sondern unser Nutzen für die Gesellschaft ist STRUKTURELLER Natur.

2.3.  ‚Reason Why’ (= Beweis für ein gemachtes Nutzenversprechen)

Wir sind aufrichtig anders als die Etablierten

  • Wir sind in Bezug auf dieses Thema 100% glaubwürdig
  • Das weiß jeder BürgerIn: „Eine (EU-)Krähe hackt der anderen kein Auge aus.“
    Wir, die Piraten aber – sind keine Krähen!
  • CDUSPDFDPGRÜNE wählen bedeutet nur die Verlängerung des Bestehenden
  • Obwohl oder gerade weil wir als chaotisch und als Unruhestifter gelten, trauen uns die Bürger diese Position zu.

Ist dies ein Alleinstellungsmerkmal bei den antretenden Parteien zur EU-Wahl?

Aus Kreisen der AfD ist bekannt, dass sie eine nicht unähnliche Positionierung für den EU-Wahlkampf anstreben. Die AfD sagt laut, was bei den EU Institutionen, bei ESM, beim Euro-Krisenmanagement etc. alles falsch läuft.

3.     MASSNAHME ‚PLAKAT ZUR EU-WAHL 2014’

Kommunikationsinhalt 

Piraten Kampagne für EU-Wahl mit EINER Kernbotschaft:
Transparenz in der EU nur mit Piraten!

Zielgruppenbeschreibung

  • Potentielle WählerInnen der Piratenpartei Deutschland
  • Auch für Menschen, die ‚sonst nicht‘ Piraten wählen (!)

3.1.  AIDA angewandt für ein EU-WAHLPLAKAT DER PIRATEN

AIDA ist ein Akronym für ein Werbewirkungs-Prinzip. Es steht für die englischen Begriffe Attention (Aufmerksamkeit), Interest (Interesse), Desire (Wunsch) und Action (Tätigkeit). Das Stufenmodell enthält vier Phasen, welche der Kunde durchlaufen soll und die letztlich zu dessen Kaufentscheidung führen sollen. Die vier Phasen werden als gleich wichtig angesehen, können sich allerdings überschneiden. Das Akronym AIDA setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der einzelnen Phasen zusammen:

Attention Die Aufmerksamkeit des Kunden wird angeregt.

Interest Er interessiert sich für das Produkt. Das Interesse des Kunden wird erregt.

Desire Der Wunsch nach dem Produkt wird geweckt. Der Besitzwunsch wird ausgelöst.

Action Der Kunde kauft das Produkt (möglicherweise).

A = Attention

Stufe A soll Aufmerksamkeit erregen. In der werblichen Anwendung kann dies bildlich, textlich oder wörtlich geschehen. Angewendet auf ein Werbeplakat, wird die Aufmerksamkeit des Betrachter zum Beispiel durch ein Bild oder Wort-Bild erregt (= Blickfangfunktion).

Bild von verschiedenen Zielgruppentypen
Ziel ist die Identifikation: Die verschiedenen Bilder der Zielgruppen sprechen die verschiedenen Gruppen in der deutschen Gesellschaft an.

  • Oma/Opa
  • ‚68/Althippy
  • Kiffer
  • Manager
  • Künstler/Musiker
  • Spießer/Normalo
  • Techno/Dancer
  • Yuppy
  • Migrant
  • Computer Nerd
  • Intellektuelle
  • Mutter/Vater
  • Jugendliche

I = Interest
In der nächsten Stufe wird sein Interesse für das zu bewerbende Produkt geweckt, weil ein knackiger Text in Kombination mit dem Bild etwas verspricht (Bild-Text-Kombination). Beispiel: Cremedose + Fotomodell (Fotos) = Das Modell benutzt die Creme und ist deshalb erfolgreich (Text).

Headline

Ich will mehr Transparenz für Europa

D = Desire

In der dritten Stufe D muss der Besitzwunsch geweckt werden, indem man dem Käufer klar macht, nicht nur das Model sieht mit der Creme sexy und erfolgreich aus, nein, der Käufer selbst wird damit ein erfolgreicher Mensch.

Logo PIRATEN und Subline für alle Zielgruppenbilder

Transparenz für Europa nur mit Piraten

A = Action

In der letzten Stufe muss eine konkrete Handlung provoziert werden. Dies geschieht oft mit Zusatzinformationen, also zum Beispiel mit einer Internetadresse, die der Kunde sofort anwählen kann, um das Produkt zu erwerben.

Subline für alle Zielgruppenbilder

Ich wähle diesmal Piraten.

3.2.  Erstes Scribble

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[1] Zusammenfassung der Lime-Survey-Umfrage http://vorstand.piratenpartei.de/2014/01/21/unsere-themen-im-europawahlkampf/

[2] Aus der Zusammenfassung der Lime-Survey-Umfrage:
Auf Rang eins hat das Thema den größten Abstand in der gesamten Umfrage und 146 Stimmen / 7% Vorsprung auf das zweitplatzierte Thema. Viel eindeutiger hätten wir es uns nicht wünschen können. Das Thema “Demokratie-Upgrade” entstand aus dem Gedanken, dass Abkommen wie TTIP in einem wirklich demokratischen Europa nicht möglich sein dürfen.“

[3] Aus der Zusammenfassung der Lime-Survey-Umfrage:
Unser Fokus bei diesem Thema liegt darum darauf, mehr Transparenz in die Strukturen der EU und mehr Mitbestimmung durch die Bürger einzufordern.“

[4] Robert Stein-Holzheim Video zum Thema Chunking, youtube ….

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